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DIE GEDANKEN VON RAOUL AUCLAIR
ÜBER „
LEBEN AUS LIEBE“

Auszug aus dem Vorwort
zum ersten Band von „Leben aus Liebe“

Raoul Auclair
Raoul Auclair,
marianischer und eschatologischer Autor

Die ungeheure Summe von Leben aus Liebe, wovon fünfzehn Bände geschrieben wurden, stellt ein mystisches Zeugnis von großer Neuartigkeit in der Kirche dar. Nun denn, indem Gott seine Gnaden austeilt, aber auch seine Ansprüche immer wieder erneuert, tut er dies stets gemäß den Erfordernissen der Zeit. Und wer würde es bestreiten, daß unsere Zeit die gedrängteste, die außergewöhnlichste, die tragisch-grandioseste ist, welche die Geschichte kennt? (...). In der Tat stellt man in etlichen Bereichen oder Teilen des geistigen, übernatürlichen oder mystischen Lebens fest, wie reich unsere Epoche an solchen Männern und Frauen ist, die bis zum äußersten erfüllt zu sein scheinen mit Tugenden und Gnaden, die denen der ehemaligen größten Heiligen entsprechen. (...).

Leben aus Liebe: Ein Leben wie alle anderen Leben; nach außen hin das gleiche Elend, aber nach innen – welches Licht und vor allem welches Mysterium!

Es handelt sich nämlich nicht nur um ein heiliges Leben, eine Zelle der Reinheit in dem verkommenen Körper der Gesellschaft – und schließlich ist das gar nicht so selten – es handelt sich um ein Mysterium. .

So wie es meistens bei Seelen ist, die Gott auserwählt, bevor er ihnen eines Tages eine Mission anvertraut, wurde auch Marie-Paule von Jugend an Objekt übernatürlicher Gnaden. Die Seele solcher Kinder ist schlicht genug, um einfach anzunehmen, was Gott ihnen großzügig gibt, und sich daran ganz natürlich zu erfreuen, ohne darin eine übernatürliche Gunst zu sehen.

Leben aus Liebe beginnt also mit einer Eingießung göttlicher Liebe. Aber Gott zeigte sehr bald dem jungen Mädchen, das inzwischen junge Gattin geworden war, daß die Gegenliebe, die er von den bevorzugten Seelen erwartet, jene Liebe ist, mit der er als Menschensohn die Menschen liebte: Opfer, Leiden und Tod, endlich die Gleichgestaltung im Widerspruch und im Gespött, so wie Jesus zum „Zeichen des Widerspruchs“ (Lk. 2, 34) und zum „Gegenstand des Gespöttes“ (Mt. 27, 29) wurde. (...).

Das ist also das Leben der Gleichgestaltung, das derjenigen auferlegt wird – aber auferlegt, weil im voraus angenommen –, die dieses Leben aus Liebe sowohl leben als auch niederschreiben muß. Die Ankündigung dafür wurde ihr sehr früh gegeben durch die Gnadenerweise während ihrer Jugendzeit. Später wurde ihr in der dunkelsten Stunde der Verlassenheit der Befehl zum Schreiben durch die Kirche erteilt, in der Person eines Priesters, ihres Seelenführers.

Warum diese Forderung, ein solcher Zwang? Eben, weil dieses „Leben“ eines Tages das Zeugnis sein wird. (...). Die Größe dieses „Lebens“ ist Auswirkung der Größe der Zeit. Wir wissen, es ist eine unvergleichliche Zeit, und dieses „Leben“ ist etwas Einzigartiges. (...).

Also ist das Leben aus Liebe ein Mysterium, das mit dem Mysterium der Miterlösung zutiefst verbunden ist.

Das Mysterium der Miterlösung ist das Ziel; die Gleichgestaltung ist der Weg. Und sie, die Gott für diese schwierige Bahn ausersehen hatte, schritt darauf voran, von Finsternis umgeben. Sie mußte den Passionsweg des Herrn noch einmal gehen. Sie mußte in der Weise des banalen Lebens nacherleben, was der Erlöser in der Vollendung des Erlösungswerkes erlitt – selbstverständlich in der unüberschreitbaren Distanz, die zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf besteht, zwischen Ihm, dem Bild, und ihr, dem Abbild.

Das wußte Marie-Paule; aber sie verstand es nicht. Es war wie bei Maria, die „in ihrem Herzen“ wußte, weil sie die Unbefleckte Empfängnis war, was sie aber bei der Begrenztheit ihres menschlichen Verstandes nicht verstand. „Und sie (Joseph und Maria) verstanden nicht“! (Lk 2, 50)

Raoul Auclair
(Auszug aus dem Vorwort zum ersten Band von Leben aus Liebe)


Alle Rechte der Übersetzung und auch der Auszugsweisen Wiedergabe vorbehalten:
© 1998 -
MARIE-PAULE, VIE D’AMOUR INC., Quebec, Kanada

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